Haben Kopfverletzungen im Fussball langfristige Folgen?

Wiederholte Kopfverletzungen bei Fussball-Spielerinnen und -Spielern werden in Zusammenhang mit anhaltenden neurokognitiven Beeinträchtigungen und abnormen strukturellen Gehirnveränderungen gebracht. Ob diese Beobachtungen „echt“ sind, wird diskutiert. Zur Verbesserung unseres Verständnisses von anhaltenden Effekten des Fussball-Spiels auf Gehirnstrukturen und -funktionen, war eine systematische Aufarbeitung der existierenden Literatur notwendig.

Aus diesem Grunde führten wir unter Leitung von PD Dr. Alexander Tarnutzer einen systematischen Literatur-Review durch, beurteilten die Qualität der Studien und fassten die Ergebnisse zu neurokognitiven Befunden, zerebraler Bildgebung und EEG zusammen. Insgesamt wurden 30 Studien mit 1691 Spielern eingeschlossen. Die 57% (8/14) der Fall-Kontrollstudien, die über anhaltende neurokognitive Beeinträchtigungen berichteten, hatten ein höheres Risikoverhältnis für nicht adäquate Kontrolle von Typ-1 Fehlern (OR=17.35 [95%-CI=10.61-28.36]) und für ungeeignete Auswahl der Kontrollen (OR=1.72 [1.22-2.43]). Bei den Studien, die einen Zusammenhang zwischen Kopfball-Häufigkeit und neurokognitiver Beeinträchtigung fanden (6/17), war die Qualität der Erfassung der Häufigkeit der gespielten Kopfbälle signifikant niedriger (OR=14.20 [9.01-22.39]). In 7 von 13 Studien (54%) korrelierte die Anzahl der Kopfverletzungen mit dem Grad der neurokognitiven Beeinträchtigung. Auffällige Befunde in verschiedenen zerebralen bildgebenden Verfahren (6 von 8 Studien) waren in 3 von 4 Studien mit sub-klinischen neurokognitiven Defiziten einhergehend.

Insgesamt führte die Analyse zu der Schlussfolgerung, dass aufgrund methodischer Schwächen die Evidenz für anhaltende Effekte des Fussballspiels auf Gehirnstrukturen und -funktionen gering ist. Ursachen für Verzerrungen (Bias) beinhalteten die niedrige Qualität in der Erhebung der Häufigkeit der gespielten Kopfbälle, die nicht adäquate Kontrolle von Typ 1 Fehlern und die ungeeignete Auswahl von Kontrollen. Die Evidenz für eine Korrelation zwischen der Häufigkeit des Kopfballspiels und neurokognitiven Defiziten war schwach und durch eine inakkurate Erfassung der Kopfballspielhäufigkeit verzerrt. Die Kombination von zerebraler Bildgebung und neurokognitiver Testung in prospektiven kombinierten Längsschnitt- und Querschnittsstudien im Frauen- und Männer-Fussball erscheint essentiell, um weiter zu klären, ob ein Zusammenhang zwischen Fussball und Veränderungen der Gehirnstrukturen und -funktionen besteht.

Den Abstract zur Studie finden Sie unter diesem Link.